Die Geschichte der T! Gottingo­-Normannia

Die Geschichte der Turnerschaft Gottingo­-Normannia reicht zurück in das Jahr 1875.

 

Am 7. Juni dieses Jahres gründete sich der „Neuphilologische Verein“ (NPV) mit dem Ziel, der sich entwickelnden Lehre der Philologie entsprechende Würdigung zukommen zu lassen. So war wesentlicher Bestandteil des anfänglichen Gemeinschaftslebens Konversation und Lektüre besonders in den Sprachen Englisch und Französisch.

 

Rasch entwickelten sich dabei erste couleurstudentische Umgangsformen und Traditionen. Die Bezeichnungen der Mitglieder als „Aktivitas“, „Altherrenschaft“ und „auswärtig“ finden Integration, ebenso wie das Abhalten regelmäßiger Zusammenkünfte zur Besprechung der internen Organisation (Convente).

 

Das ehemalige Normannenhaus im Jahr 2014
Das ehemalige Normannenhaus im Jahr 2014

Bereits 1885 folgten dem die Einführung des Zirkels und die Bezeichnung der Chargen mitsamt der Einführung erster Farben nach. 

Nach zeitweiser Suspension folgte 1895 die Wiedergründung. In deren Folge wurde schließlich der Name „Normannia“ gefunden und die Umbenennung zur „Verbindung Normannia“ komplettierte den letzten Schritt zur Korporation. Im Hohen Weg 1 konnte 1912 das eigene „Normannenhaus“ bezogen werden.

 

Mittlerweile „Turnerschaft“, wählte die Normannia im Jahre 1935 den Weg der Selbstauflösung, um einer zwangsweisen Eingliederung in den „Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund“ (NSDStB) oder der befohlenen Zwangsauflösung zu entgehen. Auch das Haus musste in der Folge weit unter Preis verkauft werden.

 

Ob großer Mühen ortsansässiger Alter Herren gelang es nach dem Krieg eine neue Aktivitas zu bilden. Da die kleine Altherrenschaft sich außer Stande sah, jener den erforderlichen Rückhalt und ausreichende finanzielle Unterstützung zu geben, sprach sich der Altherrenverband für einen Zusammenschluss mit dem der Turnerschaft Gottinga aus.

 

Die Gottinga wurde am 11. Juni 1887 als „Akademischer Gesangsverein“ gegründet und führte schon kurz danach die Farben grün­-weiß­-gold. Es folgte wenige Jahre später die Umbenennung zur „Sängerschaft“ und der Bau eines eigenen Hauses an der Ecke Herzberger Landstraße / Friedländer Weg im Jahre 1914.

 

Das ehemalige Haus der Gottinga im Jahre 2014
Das ehemalige Haus der Gottinga im Jahre 2014

In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg erstarkten Stimmen in der Gemeinschaft, die für eine Abwendung vom Sangesgrundsatz Partei ergriffen. Diese Entwicklung gipfelte im Austritt aus der „Deutschen Sängerschaft“ im Jahre 1924 und der Umbenennung in „Turnerschaft Gottinga“. Sport als gemeinschaftsprägendes Prinzip hatte sich durchgesetzt.

Wie ihrerseits die Normannia, beschloss auch die Gottinga im Jahre 1935 die Auflösung des Aktiven Bundes und übertrug das gesamte Vermögen der Altherrenschaft. Sämtliche Aktiven fanden als „außerordentliche Mitglieder“ Übernahme in den Verband der Alten Herren. 1936 wurde das Gottingenhaus an die Universität verkauft, in deren Eigentum es bis heute ist.

 

Aufgrund ähnlicher Schwierigkeiten, eine Neugründung aus alleiniger Kraft zu meistern, beschlossen die Alten Herren den Zusammenschluss mit der Turnerschaft Normannia.

 

Die offizielle Verschmelzung wurde auf einem festlichen Kommers am 28. April 1951 in Hannover feierlich gewürdigt.

 

Fortan trug die Verbindung den Namen „Gottingo-­Normannia“, entwickelte einen gemeinsamen Zirkel und erhielt auch die Farben der beiden Fusionsbünde.

 

Im November 1953 konnte das neue „Gottingo-­Normannen­-Haus“ in der Leonard ­Nelson ­Str. 14 eingeweiht und damit vollumfänglich bewohnt und genutzt werden.

 

Da einer der aktiven Bundesbrüder körperlich nicht in der Lage war, Mensuren zu stellen, entbrannte gegen Ende der 60er Jahre die folgenreiche Debatte über das Beibehalten der Pflichtmensur. 

Besonders zum damaligen Dachverband „Coburger Convent“ klafften erhebliche Differenzen und Abgründe auf, die in hitzige Debatten auf Verbandstagungen mündeten und zur Formierung von zweierlei Fraktionen führten.

Der „Marburger Kreis“ versuchte die Einführung der fakultativen Mensur durchzusetzen, der „Würzburger Kreis“ beharrte unumstößlich auf der strikten Beibehaltung der Pflichtmensur.

 

Da die Unterschiede sich nicht überwinden ließen, kam es 1971 zum Austritt aus dem CC. Mit den 11 übrigen ausgetretenen Turnerschaften wurde am 06. November 1971 der „Marburger Convent Stundentischer Korporationen“ (MK) gegründet.

 

Nach Jahren mit hohen und geringen Mitgliederzahlen erstarkte die T! Gottingo­-Normannia in den letzten Jahren zu einer Aktivitas von über 30 Personen.